Scheiße auf dem Autoreifen

Liebe Leser, einige unter Ihnen kennen dieses nette Liedchen vielleicht, für alle anderen sei hier kurz der vollständige Text erwähnt: „Scheiße auf dem Autoreifen holla di ladio gibt beim Bremsen braune Streifen holla di ladio“. Immer öfter, wenn ich durch unsere Stadt gehe, habe ich dieses Liedchen im Kopf. Aber ich muss mich korrigieren. Ich gehe nicht mehr durch unsere Stadt, ich überwinde den täglichen Hindernisparcours auf den Gehsteigen unserer Stadt. Ich kann nicht einfach nur einen Fuß vor den anderen setzen, mich mit meinen Zielen beschäftigen oder mit den Nachbarn einen netten Gruß austauschen – nein, ich bin gezwungen, die Augen starr auf den Boden vor mir zu richten und jeden Schritt genau abzuwägen, denn dort auf den Gehsteigplatten, da lauert der Feind. Kleine, große, schwarze, weiße, meist mittelbraune weiche Haufen aus den Hinterteilen unzähliger Stadtköter liegen verteilt mal rechts, mal links am Rand oder frech in der Mitte und gern auch mehrfach auf der selben Stelle. Der Hund hat halt auch seine festen Gewohnheiten. Und wie ich letztens wieder um einen Haufen herumbalancierte und dann natürlich gegen einen Großwagen stieß, der genauso unverschämt mitten auf der Straße geparkt war, da kam mir folgender großartiger Blitzgedanke. Ich werde heute und hiermit die geschätzten Hundebesitzer darauf aufmerksam machen, welchen Schatz sie, ja genau Sie besitzen und es gar nicht wissen!

Sie und ich, wir kennen alle die Situation, dass unsere Straße des Abends gnadenlos zugeparkt ist. Sie haben die Wahl: entweder Sie legen sich mit Ihrem Chef an und gehen pünktlich  um 17 Uhr aus der Arbeit, denn bis 17.58 Uhr gibt es noch ein oder zwei frei Parkplätze in der unmittelbaren Nähe Ihrer Wohnung, oder Sie kommen später und drehen 30 Minuten Ihre Runden auf der Suche nach einer freiwerdenden Lücke. Wenn Sie dann entnervt Ihr Auto am Flughafen abgestellt haben und wiederum eine halbe Stunde später zu Fuß verschwitzt und müde Ihre Wohnung erreichen, ist natürlich genau direkt vor Ihrer Haustür ein Platz frei. Oder Möglichkeit drei: Sie zünden ein Auto Ihrer Wahl an und nach erfolgreicher Lösch- und Abschleppaktion der geschätzten Feuerwehr haben Sie auch einen Platz vor Ihrer Tür. Oder aber wir arbeiten zusammen. Nahezu jeder deutsche Autofahrer liebt seinen Wagen über alles, besonders, wenn es ein großer, schneller, schwarzer ist, vielleicht ein AUDI SUV und wenn den dann noch Vati bezahlt hat, denn der mittlere deutsche Autofahrer studiert ja noch oder macht ein Praktikum in der Medienbranche und Vati wollte den AUDI SUV eh durch einen RANGE ROVER SUV ersetzen, da kann Bubi ihn ruhig auftragen. Dieser deutsche Autofahrer würde sich lieber den Bleifuß abschneiden, als sein geliebtes und blankpoliertes Mobil noch einmal an den Platz zu stellen, wo ihm solch Unbill widerfahren ist:

Der Autobesitzer kommt eines Morgens gut gelaunt zu seinem Auto, sie zwinkern sich zu, aber irgendwie scheint das Auto heute mit dem falschen Fuß aufgestanden zu sein, denn ein Lächeln ist ihm nicht zu entlocken. Autos sind auch nur Menschen, denkt sich der Autobesitzer, schiebt seinen Schlüssel ins Türschloss, fasst den Griff und –
erschrocken zieht er die Hand zurück, griff er doch in eine kühle, weiche Masse, die einen intensiv süßlich verdorbenen Gestank aussendet. Mit ekelverzerrtem Gesicht putzt er die Hand notdürftig an einem Papiertaschentuch, aber der Gestank wird noch Tage immer wieder Brechreize bei ihm auslösen. Der Besitzer schafft es, die Autotür zu öffnen, steigt ein und als er das zweite Bein hineinhieven will, tut es ein leichtes Schmatzen, als sich der Schuh vom Boden löst. Auch dieser, zumeist ein überteuerter Turnschuh aus Velourleder steckte in weicher, kühler Masse, die ein seltsames Braun hat, stellt der Besitzer fest. Dann beginnt ihn der Gestank einzukreisen. Er kann gerade noch das Papiertaschentuch in seine Nasenlöcher stopfen, ab da fehlen ihm einige Minuten dieses unsäglichen Morgens. Als er wieder zu sich kommt, stellt er bei Betrachtung seines Elends, vollgeschissen im Auto des Vaters zu sitzen, fest, dass das Auto alle guten Gründe hatte, heute Morgen nicht zu lächeln. Der Besitzer schafft es aber trotzdem, den Motor zu starten und betätigt gewohnheitsmäßig den Scheibenwischer und –
schon ziehen braune Streifen regenbogenförmig ihre Spuren über die getönte Windschutzscheibe. Der Besitzer beginnt zu schreien. Von außen ist nur ein irgendwie merkwürdiger junger Mann mit schmerzverzerrtem Gesicht zu erkennen, der eine Art Fruchtbarkeitstanz aufzuführen scheint. Die Scheiben von Vatis Auto sind schallisoliert, es muss ja nicht die ganze Nachbarschaft hören, was Vati oder Sohni im Auto so treiben. Sohni im Auto schafft es, das Navigationsgerät zu aktivieren, das mit einem Wunder der modernen Satellitentechnik zu „Wählen sie 1 Papa 2 Mama 3 Polizei 4 der liebe Gott“ verbinden kann und da meldet sich auch schon die angenehme Frauenstimme: „Guten Morgen Bubi, ich wünsche Ihnen einen beschissenen Tag“, sie lacht dreckig und beginnt zu singen: „Scheiße auf den Autoreifen holla di ladio…“.

Sollte Bubi sich je von diesem Schock erholen, jemals wieder in ein Auto steigen und noch jemalser wieder in unsere Stadt zurückkehren, dann wird er bestimmt nicht noch einmal so dämlich in unserer Straße parken.

Liebe Hundebesitzer, die Sie das wertvolle Gut der tierischen Fäkalie einfach so verschwenden, ich bitte Sie, sammeln Sie die Haufen Ihrer Lieblinge und geben Sie diese bei mir ab! Gemeinsam sorgen wir für Ordnung in dieser unserer Stadt und es ist jedem von uns geholfen. Sie brauchen sich nicht mehr von den Mitbürgern ob Ihres wahllos in den öffentlichen Raum scheißenden Köters anmaulen zu lassen und ich kann sowohl wieder frei gehen, als auch frei parken in der Stadt! Und ich bin mir sicher, ich bin nicht allein.

Mit herzlichen Grüßen
Ihre Frau Körb

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