Feuersturm

Da lag ich nun einmal des Abends entspannt in meinem Bett und las und was passierte? Es entzündete sich das Haus unter meinem Hintern! Anfangs schlich ein karamelliger Geruch in mein Zimmer. Ich dachte mir nichts, schließlich lief an dem Tag ein großes Fußballspiel im Fernsehen und warum sollte man sich nicht süßes Popcorn zum Fußball machen? Ich mache mir weder etwas aus Fußball, noch aus Popcorn und so las ich weiter über ökologische Rucksäcke.

Der Geruch wurde stärker. Zucker verbrannt, Mais im Topf festgebacken? Das kommt in den besten Familien vor, bloß können die den Topf dann wegschmeißen. Was so ein Topf an Eigengewicht in seinen ökologischen Rucksack bringt, wollte ich gerade erörtern, da klopfte es an meiner Tür Sturm. Der Ökorucksack fiel mir aus der Hand. „Frau Körb? Frau Körb! Es brennt! Alle raus! Es brennt!“ rief es durch die Tür. Scheißpopcorn, dachte ich noch, zog mir was über und verließ mein Bett. In meiner Küche stand dicker weißer Rauch. Also hop hop hop hop raus hier! Natürlich nicht ohne Herrn Mijago! Unterwegs traf ich die drei Kinder meiner Nachbarn, im Bademantel die Treppen nach unten eilend. Das Große trug die familieneigene Katze, die jammernd in ihrer Katzenbox protestierte. Herr Mijago nahm sich ein Beispiel und stimmte in das Geheul mit ein. Bloß gut, dass nicht viele Leute die Schreie eines Bonsais hören können.

Alles weitere ereignete sich dann so schnell, dass es keine Zeit für ganze Sätze gab.

Das ganze Haus trippelte die Treppen runter, Feuerwehrleute in Gasmaske rannten die Treppen rauf, riefen: „Drin bleiben Fenster zu!“, was sich anhörte wie: „Hinbeibm Fembabu!“ Also alle wieder rauf. Oben zählte meine Nachbarin durch, eines der Kinder fehlte. Also die Mutter wieder runter, an den Feuerwehrleuten vorbei. „Bleiben sie, sie können nicht-“ – „Doch kann ich, ich suche einen laufenden Meter im gestreiften Bademantel-“ – „Ach so, dann ab!“ Auf der Straße ein riesiger Löschzug, Schläuche werden ins Haus gezogen, Funkgeräte knattern, Leute huschen um die Feuerwehrmänner, alles in Aufregung, ich stehe auf der gegenüberliegenden Seite und halte Herrn Mijago den Mund zu. Meine Nachbarin hat den verlorenen Sohn gefunden, beide kommen zu mir, blass wie die Streifen des blauen Bademantels. Sie schauen zu ihrem Fenster rauf – von oben winkt die andere Hälfte der Familie. Keine zwei Minuten später stehen auch die zwei anderen Kinder bei uns. Das Jüngste wollte ohne Mama nicht oben bleiben. Aber ohne seinen Papa und die Katze auch nicht unten. Meine Nachbarin telefoniert mit ihrem Mann. Der hat sich scheinbar oben mit der Katze auf einem Stuhl festgekettet. Er gehe nicht ohne seinen Plattensammlung! Und wir sprechen hier nicht von zehn oder fünfzig Schallplatten.

Während wir da so stehen und vor uns hin zittern, suche ich immer noch die Flammen. Nichts zu sehen. Ganze zehn Minuten später ist der Spuk vorbei, die Feuerwehr packt zusammen und es wird noch tagelang in unserem Haus stinken. In den Gestank mischt sich die Frage: Was hat da eigentlich gebrannt? Nun nichts Dramatisches, sagen die Nachbarn mit dem Brandherd. Nur ein Handtuch. Und ein Heizlüfter. In einem Badezimmer unter meinem. Wo ein Gasboiler drin ist.

Meine lieben Leser, ich für meinen Teil überlege mir jetzt, ob ich es lieber Nachbars Katze oder Herrn Mijago gleichtun sollte: die eine hat seit dem Brand Durchfall, der andere beleidigt seine Blätter abgeworfen. Wie würden Sie entscheiden?

Mit herzlichen Grüßen
Ihre Frau Körb

Ein Kommentar zu “Feuersturm

  1. Pingback: Warteschleife 2015 | Frau Körb

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