The essence of equal

– Teil drei –

Neulich hatte ich wieder das Vergnügen, einer Familienzusammenkunft beizuwohnen und ich sage Ihnen, meine lieben Leser, die wirklich unterdrückteste Gruppe in unserer Gesellschaft sind Geschwister! Unter Geschwisterinnen und Geschwistern tobt ein Kampf, der so alt ist, wie das Denken der Menschen und zur gleichen Zeit, wie all ihre großen Mythen begann.

Damals, als der Mensch sich streckte und aufrecht gehen konnte, setzte plötzlich Angst ein: Angst vor der unendlichen Weite der Steppe, die er nun überblicken konnte, Angst vor den unbeherrschbaren Elementen, Angst vor sich selbst und Angst vor allem anderen. Die Geschichtenerzähler im Frühmenschenrudel brachten hier mindestens einen Gott als Erklärungsmodel ins Spiel und sich selbst bald in die überaus lohnende Position des Gottesanrufers, beziehungsweise seines Stellvertreters auf Erden. Aber die Angst durchzog alle Bereiche des Zusammenlebens. Die normale Geschwisterrivalität, die bisher für Ordnung im Rudel sorgte, wurde plötzlich kritisch betrachtet und die generelle Angst flüsterte und flüsterte und der Mensch erstarrte und verstand. Dieser Geschwister da, der will einem ja was wegnehmen! Und der steht breit wie der starke Goliath in der Sonne und man selbst versteckt sich als kleiner David hinter einem Stein.

In der normalen Geschwisterreihe hat erst einmal der Erstgeborene die Position des Stärkeren inne, einfach weil er es kann. So beansprucht der Älteste den Thron und damit das Familienerbe für sich, da er von den Jüngeren bei deren Ankunft in der Familie von selbigem gestoßen wurde und den Verlust der alleinigen Liebe der Eltern bis zum jüngsten Tag nicht verarbeitet hat. Meine lieben Leserinnen, stellen Sie sich vor, Ihr Mann kommt irgendwann mit einer anderen Frau nach Hause und sagt: das ist die Uschi und die lebt ab jetzt bei uns und du musst sie liebhaben. Da spucken Sie doch Gift und Galle und das täglich in den Kaffee von Uschi! Genauso ergeht es den älteren Geschwistern, wenn plötzlich jüngere folgen. Natürlich ist die Uschi eigentlich ganz nett und man kann gut mit ihr reden und spielen, aber wieso darf die abends solange mit Ihrem Mann und Sie nicht? Der hat die doch bestimmt lieber, denn er nimmt die Uschi immer an der rechten Hand, während Sie nur an seiner linken gehen dürfen. Das ist ungerecht! Und diese ungerächte Ungerechtigkeit kann ein Geschwisterleben bis ins hohe Alter durchziehen.

Ich habe jede Menge Geschwister beobachtet und selbst bei achzigjährigen Geschwisterinnen ist die Inbesitznahme von Besuchergunst durch die Jüngere und die Gegenwehr der Älteren in Form von boshaften Erniedrigungsversuchen spürbar. Die Jüngeren nehmen sowieso immer alles für selbstverständlich hin, wofür die Älteren haben hart kämpfen müssen. Da ist es doch nur legitim, wenn die Älteren die Jüngeren piesacken und sie die Infamie ihrer bloßen Existenz spüren lassen! In frühester Kindheit beginnt der unausgegorene Rachefeldzug der Älteren, wobei sie rational nicht erklären können, warum sie so gemein zu den Kleineren sind. Da steht das Jüngere im Garten an der Sonnenblume, schaut die prallen Kerne an und leckt sich die Lippen. Das Große steht daneben und sagt messerscharf: „Ich habe alle Kerne gezählt und ich merke genau, wenn einer fehlt!“ Und das Kleine zuckt zusammen und erlebt den ersten großen Gewissenskonflikt: „Was das Große sagt, stimmt immer!“ versus „Das kann doch gar nicht sein!“

Hier setzt unbewusst das kritische Betrachten der eigenen Familie und der bis dahin als gegeben hingenommenen Strukturen ein. Hat das Ältere wirklich immer recht, wenn es das Jüngere herumkommandiert und zum Erledigen von unliebsamen Aufgaben benutzt? Wenn es versucht, sich einen Teil vom Keks des Jüngeren abzubrechen, der ihm ja rein rechnerisch zusteht, da es viel größer ist und somit auch einen größeren Magen hat? Auf den naiven Glauben des Kleinkind-Mittelalters mit all seiner Schrecklichkeit folgt die Aufklärung und die Allmacht der älteren Geschwister wird in Frage gestellt. Willkommen in der Pubertät, kleines Geschwister! Diese Zeit der Gefühlsstürme, Romantik und Wahnsinnigkeit kann Geschwister neu zusammenfügen, oder aber für immer trennen. Jedes orientiert sich anders und doch bleibt man zusammen, meist in einem gemeinsamen Freundeskreis als letzter Halt in der rauen See des beginnenden Lebens. Jetzt kristallisieren sich zwei Gruppen von Geschwistern heraus: die Schläfer und die Erwachten. Die Schläfer kleben zusammen, wohnen zusammen in der Nähe, kriegen Männer, Frauen, Kinder, Hunde zusammen, erziehen diese zusammen und leben ihre versteckten Konflikte bis zum letzten Atemzug aus. Ständig versucht eines das andere mit dem besseren Mann, dem größeren Auto, den hübscheren Kindern auszustechen und oft werden die Eltern, die doch an all dem Schuld sind, noch mitgerissen und sollen in ihrer Senilität überparteilich richten. Die alten Eltern haben es natürlich satt und gehen den Weg des geringsten Widerstandes, indem sie dem ihnen gefälligeren Geschwister zustimmen, dann ist Ruhe und wenigstens die haben sie sich verdient. Und der Verlierer versucht, den Gewinner in einem anderen Bereich auszustechen. Da wird an den Hupen der eigenen Frau herumgeschraubt, bis diese sich ballongleich in die Lüfte erheben und DAS kann sich das Geschwister weiß Gott nicht leisten, kennt man doch dessen Bankberater aus dem Verein und was der so über die Kontobewegungen erzählt, im Vertrauen versteht sich, alles nur im Vertrauen, aber oha.

Auch die Erwachten haben kein leichtes Leben. Sie erkennen den Grundkonflikt, versuchen ihn aus der Welt zu schaffen, am besten zivilisiert in Gesprächsform und stoßen immer wieder an die Grenzen ihrer eigenen Familie. Und es stellt sich die Frage quer in den Raum: Stamme ich wirklich von denen ab? Die kalte Wahrheit zu sehen und damit ständig konfrontiert zu werden, hat schon manch ein Geschwister in den Abgrund getrieben.

Um dieser Unterdrückung aller GeschwisterInnen Einhalt zu gebieten, rate ich Ihnen, meine lieben Leser, belegen Sie noch heute einen Kurs bei www.babyzeichensprache.com in Deutschland, Österreich und gleich noch in der Schweiz. Nehmen Sie Ihre Kinder, Enkel und auch den ganz frischen Urenkel mit! Nur so können wir den Anfängen des Unverständnisses handfeste Zeichen entgegensetzen!

Mit herzlichen Grüßen
Ihre Frau Körb