Was bin ich?

 -Folge 2-

Nachdem Sie mir den Arzt nicht abgenommen haben, versuche ich mich heute an einer ganz anderen Profession. Ich bin Wahrsager. Dafür muss ich nicht viel tun. Ton ab:

In meinem Loft räkelt sich noch mein Bunny in der aufgehenden Sonne, ich habe jetzt leider ihren Namen vergessen, aber das macht nichts, sie wahrscheinlich auch. Während ich meine Stärke bewundere, konsumiere ich eine Kanne Expresso, klatsche in die Hände und mache ein offizielles Breathing. Die weißen Krümel von der Nase wischend, stehe ich flink agierend an einem elektronischen Gerät und motiviere mein Team, seine breitgesessenen Ärsche verdammt nochmal zügiger zu bewegen, ich bezahle schließlich nicht fürs Fettwerden und wem das nicht passt, der kann seinen Platz gern dem nächsten Praktikanten räumen! Praktikant? Wo ist der Kaffee? Und wieso ist die Milch alle? Gefeuert!

Ich habe einen vielseitigen Beruf. Ich bin in allen Schichten der Gesellschaft unterwegs, meist in den oberen, downtown kenne ich nur vom Hörensagen und manchmal vom Set. Meine Arbeitsumgebung ist geräumig, viel Platz für Kreativität – Praktikant, wieso ist jetzt dieser Schreibtisch immer noch nicht an einen Freien vermietet? Gefeuert!

Gern stehe ich auf meiner geräumigen Dachterrasse und schaue über die Stadt. Irgendwann wird das alles mir gehören – ich der König dieser Stadt, ich bin überhaupt der B., niemand kann mir das Wasser reichen! Ich bin auf allen Meeren gesegelt, hab im Kugelhagel meine Schneidezähne verloren, immer wieder einen Fuß auf den Boden gekriegt und mir das alles allein aufgebaut! Man sagt, ich gehe über Leichen. Aber ich bitte Sie, ich schütze nur, was mir gehört und lege unnötigen Ballast ab. Tut mir leid für die Zurückgebliebenen, war eine schöne Zeit. Nein, leid tut es mir eigentlich nicht. Leiden kann ich mir nicht leisten. Man muss sich heutzutage durchbeißen, es gibt zuviele schlechte Wahrsager. Eine neue Praktikantin? Bewerbungsgespräch heute Abend, soll gleich einen Tisch für zwei reservieren – ja, dann sag ihr das am Telefon, will sie die Stelle oder nicht?

Ich sage Ihnen, es ist wirklich schwer, fähige Mitarbeiter zu finden. Ich brauche Einsatz, hundertfünfzig Pro, das Projekt zählt und nicht irgendwelches lapidares Zeugs wie geregelte Arbeitszeit, Mittagspause, Familie – Kinder, ihr wolltet den Job! Eure Familie bin ich! Entscheidungen werden natürlich im Team getroffen. Aber das letzte Wort habe ich, schließlich muss ich meinen Arsch dafür herhalten. Dieser Spagat zwischen der Einfältigkeit der Kunden und der ungebremsten Energie der Sache, der geht mir schon mächtig auf die Eier manchmal. Aber letztendlich war der Kunde immer zufrieden und an das Bücken gewöhnt man sich. Am Anfang ja, da bin ich schon gefickt worden – wir sind doch unter uns? – „beim ersten Mal tut’s noch weh“ ha ha, aber mittlerweile hab ich den härteren Schwanz. Und: ich kann länger!

So, jetzt aber genug geredet, wollen Sie auch ein wenig davon? Sie nehmen keinen Zucker zum Kaffee? Ha! Sie sind gut – Zucker zum Schnee – Koks zum Kaffee – wann wollen Sie anfangen?

Meine lieben Leser, jetzt wollen Sie nach der langen Vorstellung sicherlich Berufserfolge sehen, bitte sehr, hier einige Großartigkeiten meiner Agentur (selbstverständlich ohne direkte Markennamensnennung, aber Sie wissen ja, bei Bedarf sind diese bei mir persönlich zu erfahren, machen Sie einen Termin – und reservieren Sie gleich einen Tisch für zwei, Bunny!):

V. Wasser – jetzt auch kalorienarm!
Endlich auch vegan erhältlich – Mandeln von D.
Und noch unveröffentlicht: Das Katzenstreu ­– da scheißt jeder Hund drauf!

F.K.