Grundsätzlich

Am Wochenende gab es mehrere Demonstrationen, die ich vom Stadtbalkon einer Nachbarin aus beobachten konnte. Von rechts lief es mit Parolen, die des Deutschen über Jahrhunderte angestammte Heimatland priesen. Von links her zogen zwei Gruppen lautstark mit Gegenparolen. Dann gab es mittig außerhalb noch einen Zug, der sich für unterdrückte Minderheiten in Türkistan einsetzte. Jeder Trupp marschierte und skandierte innerhalb eines Zaunes aus Gittern und schwarzen Staatsschützern. Das Ganze sah von oben aus, wie ein demokratischer Tiergarten. Die Wächter hatten alle Hände voll zu tun, in den jeweiligen Gehegen die Unruhestifter im Zaum zu halten. Dazwischen liefen eilig Volksmitglieder dem Schlussverkauf hinterher. Die überwiegende Mehrheit interessierte die offen gezeigte uneinheitliche Volksmeinung überhaupt gar nicht.

Nun ist das Recht auf freie Meinungsäußerung keinem abzusprechen und wenn er dies organisiert in Gruppen besser kann, bin ich die Letzte, die sich gegen die Heimeligkeit von Gemeinschaftstoiletten ausspricht. Aber Mittelerde steckt in einer verfahrenen Situation. Gelder werden verschwendet für eine Demonstrationskultur, die zu einer Verhärtung der Fronten führt und am Ende bewegt sich nichts mehr. Dabei liegt die Lösung so nah. Gebt dem Volk Spiele, so war es schon bei den Urvätern der Demokratie! Gut, sie sind untergegangen, aber dies ist einem altertümlichen Größenwahn geschuldet. Spiele haben überlebt.

So führet denn Meinungsspiele durch! Die Aussicht auf blutende Nasen hat noch jeden passiven Bürger gelockt. Einmal in der Woche, möglichst an einem Sonntagnachmittag aus Rücksicht auf die Gruppe der ausschlafenden Vollzeiteltern und den Einzelhandel, wird die Stadt zur autofreien Zone erklärt. Auf zentralen Plätzen werden mit Matten und Metallzäunen Kampfstätten markiert. Je nach Größe der Stätte bedarf es eine entsprechende Anzahl schwarzer Staatsschützer, die als Linien- und Kampfrichter die demokratische Ordnung schützen. Dies entlastet die Sondereinheiten sehr, können sich die Damen und Herren in Schwarz so endlich wieder ihrer eigentlichen Profession widmen.

Jede Meinungskleingruppe, selbst der Einmann-Verfechter aus dem Straßenverkehr, kann antreten. Zu vermeiden ist im frühen Stadium der Spiele ein direkter Kontakt von Pro- und Kontra-Meinungen. In den Kampfarenen wird in einem japanischen Turnier der jeweils Stärkste seiner Gruppe ermittelt. Die Meinungsteilnehmer stellen sich der Größe nach auf. Die kürzesten Beiden kämpfen zuerst gegeneinander, der Sieger bleibt jeweils stehen und tritt gegen den nächst Größeren an. Da aller guten Dinge drei sind, wird nach der Drei-Punkt-Regel bewertet: 3 Treffer gleich 3 Punkte gleich Mattensieg gleich Aufstieg in die nächste Runde. Auf der Pegida-Matte dürfte es bedingt durch an vielen Stellen mangelnde Schlagkraft sehr schnell gehen, im linken Flügel stände es im vermummten Block lange unentschieden. Steht ein Meinungssieger fest, kommt es zum spannenden Teil der Spiele: die Meinungsstärksten kämpfen gegeneinander.

Der Vorteil für das Volk liegt hierbei auf der Hand. Die Radikalen bauen zielgerichtet Testosteron ab. Dies kommt neben fehlenden Abgasen sehr dem Geruch der Städte und ihren Bewohnern zugute. Deren Laune steigt wie an einem Frühlingstag, man blickt auf, agiert nachsichtig, Grillstätten werden spontan errichtet und das Stadtklima kann sich erholen. Als Langzeitfolge hätten Hebammen Monate später alle Hände voll zu tun, da die von Krankenkassen forcierte Geburt in klinischer Sterilität wegen Überbelegung schlicht nicht mehr durchführbar wäre. Die Überzahl werdender Mütter und Väter zwänge die Krankenkassen zu einem schnellen Umdenken, denn Frauen auf Hormonen – dem hält keiner stand! Die gesamte Gesundheitspolitik würde verändert werden, zumal hier noch Einfluss zeitnah von den Spielen kommt: das Krankenpflegepersonal wäre noch stärker gefragt und hätte ein entscheidendes Druckmittel. Generalstreik war gestern, heute geht alle Macht spielend vom Volke aus!

Im Bereich der Siedlungs- und Asylpolitik käme es zu ungeahnten Verbindungen. Generell würde Singlewohnraum frei, da oben genannte junge Familien natürlich ihre Haushalte zusammenlegen. Bedingt durch den k.o. einer politischen Meinung würde ebenfalls Siedlungsraum frei. Wenn z.B. der „Deutschnationale Verein zur veganen Sicherung alternativer Energiequellen Dummsdorf“ verliert, so werden die Meinungsteilnehmer still und heimlich ihren Platz räumen, das gebietet das letzte bisschen Ehre. Somit wird in Dummsdorf mindestens ein Vereinslokal frei, in welchem sich dann Flüchtlinge aktiv im Zusammenleben in deutschen Gemeinschaften ausprobieren können. Alle Dummsdorfer seien hier in Schutz genommen. Niemand kann etwas für seinen Namen und da sie ohne nationalvegane Windräder frei in ihrer Meinungsbildung wären, stünde einem interkulturellen Miteinander nichts im Wege.

Und auch die finanzielle Lage würde sich erheblich bessern. Das Staatsgeld für nicht verwendete BGS-Einsatzhorden mit Gummigeschossen, Rauchbomben, Tränengas und Wasserwerfern würde in den Kassen der Bundesländer hell klimpern und ungeahnte Möglichkeiten eröffnen.

So weit, so gut. Wie versprochen, glaube ich im Januar an das absolut Gute im Menschen, nur möchte ich anmerken, dass das Geld im Freistaat Bayern mit Sicherheit im Heimatministerium versickern würde. Dort ist man fleißig damit beschäftigt, Behörden in unbekannte Dörfer auszulagern, die weder an den öffentlichen, noch an den virtuellen Verkehr angeschlossen sind und an der eigenen Unversehrtheit zu arbeiten. Angaben aus der zweiten Söder’schen Generation bestätigen dies: „Ist mir doch egal, welches Pferd da gehäutet wird, solange es nicht meins ist.“

Mit herzlichen Grüßen
Ihre Frau Körb