The essence of equal

– Teil zwei –

Das postfeministische Hinzufügen eines „–In/nen“ gehört schon länger zum guten Ton in politisch korrekt schwafelnden Kreisen. Mann und Männin sind gleich und doch durch das verbale Schwänzchen deutlich von einander abzutrennen, und zwar exakt. Wehe, Sie sagen einer Männin, dass Sie ihr Schwänzchen doof finden, da so der Mann unterdrückt und sein Recht als biologischer Schwanzträger erheblich eingeschränkt wird. Diesen Spaß erlaube ich mir immer wieder gern und die Reaktionen sind immer gleich. Schließlich haben die empört vor mir stehenden 30 bis 50jährigen Männinnen fast ein Jahrhundert für die Gleichberechtigung der Frau gekämpft und das lassen sie sich nicht so schnell kaputtmachen und von mir schon gar nicht! Im sozialen Bereich des täglichen Lebens wimmelt es nur so von diesen Männinnen. Da ich in meiner Nachbarschaft ein seltenes Exemplar der Spezies der Logopäden aufgetan und eingehendst von allen Seiten beleuchtet und befragt habe, werde ich heute an diesem Beispiel aufzeigen, was das kleine Schwänzchen der Gleichstellung doch für großen Unfug anrichten kann.

Der Gemeine Logopäde, ein Stimm-, Sprach-, Sprech- und Schlucktherapeut behandelt im Regelfall den Erkrankten aufgrund der vom Arzt gestellten Diagnose, oder eben auch nicht. Denn der Gemeine Arzt wiederum kennt sich in den logopädischen Bereichen zu wenig aus, um eine präzise Diagnose stellen zu können. Es ist ihm nicht groß zum Vorwurf zu machen, schließlich sind Ärzte auch nur Menschen und Wissen heißt wissen, wo es steht bzw. wen man fragen muss. Über die allgemein bekannte Unfähigkeit des Allgemeinen Arztes brauche ich keine großen Worte zu verlieren. Aber ich gehe heute vom besten Falle aus: Der  Arzt handelt zum Wohl des Patienten.

Der Logopäde erhält also keine genaue Diagnose vom Arzt und beginnt, eine zu ertesten. Und was es da alles für Tests gibt, mein lieber Herr Nachbar! Haben wir früher als Kinder einfach Reimwörter gesucht, oder „Löffelsprache“ gesprochen, heißt das jetzt phonologische Bewusstheit. Und es gibt auditive Differenzierung und einen AVWS, einen AAT und noch viel mehr solch aufgeblasenes Zeug. Ich habe noch nicht herausgefunden, wer sich an diesen Tests eine goldene Schrankwand verdient, aber ich halte Sie auf dem Laufenden. Solch ein Test kann dann schon zwei bis drei Behandlungsstunden dauern, was am Ende der von der kassenärztlichen Vereinigung genehmigten Gesamtbehandlungszahl fehlt, aber das ist nicht das Problem des Gemeinen Logopäden, sondern das des Patienten. Soll er sich doch mit seinem Arzt auseinandersetzen und ihm die Wichtigkeit seiner Folgebehandlung nahelegen. Auf Logopäden hört der Arzt doch eh nicht.

Dies weiß der Gemeine Logopäde aus Gesprächen mit seinen Kollegen. Alle schimpfen und jammern das gleiche Lied: Die haben doch alle keine Ahnung, es ist so gemein und überhaupt -haupt -haupt, wie einen die Ärzte immer behandeln, so von oben herab, als ob man selbst ein Niemand sei – gemein gemein gemein! Leider ist es so, dass in den meisten Fällen der Gemeine Logopäde – und ich wage zu generalisieren: der Gemeine Therapeut ein kleines ängstliches Kaninchen ist, welches sich vor dem großen Wolf im weißen Kittel zu Tode fürchtet. Schließlich hat der Wolf sechs Jahre studiert und lässt dies auch fast immer heraushängen. Und das Kaninchen hat nur drei Jahre an der Berufsfachschule gelernt, hat vor allem keinen einzigen Titel in seinem Namen stehen und glaubt, den wölfischen Göttern niemals nicht das Wasser reichen zu können. Gemein gemein gemein!

Einige Logopäden studieren aus diesem Grunde nach und sind dann wenigstens ein „Dipl. logo“, was trotzdem nie einem „Dr. med.“ gleichgestellt werden kann. Und sie  fühlen sich immer noch klein und Karotten schnurpsend. Und unterbezahlt sowieso. Es herrscht also eine so infame Ungerechtigkeit und Ungleichheit, die in den meisten Gemeinen Logopäden die Männin erweckt. Und diese Männinnen wollen Blut sehen. Sie beginnen, zu kämpfen und zu petitieren, was man auf der Internetseite des Berufsverbandes der Logopäden (dbl) sehr schön verfolgen kann.

Nun treten diese Männinnen nicht aktiv vor den Feind und in die Öffentlichkeit, präsentieren klare Fakten, suchen sich eine starke Lobby und streiken, wie zum Beispiel die Postler oder Lufthanseaten. Die armen Häschen/-innen können sich nicht entscheiden, ist der Feind nun der Arzt oder doch die Krankenkasse.  Von beiden sind sie abhängig und mit beiden wollen sie es sich um Himmels willen nicht verscherzen. Der eine verschafft ihnen Kundschaft, der andere bezahlt pünktlich für die geleistete Arbeit, was in unserer Gesellschaft höchst selten ist.

Viele der Logopädenmänninnen rotten sich in Fortbildungen über neue Behandlungsmethoden zusammen und verschaffen einigen dadurch ein Zusatzeinkommen. Sie besprechen ausführlich mit mindestens zwanzig anderen Männinnen, wie es ihnen geht und wie sie sich fühlen und dass es ganz toll ist, hier zu sein und das Wissen vermittelt zu kriegen und dies auch praktisch an sich selbst ausprobieren zu können du und überhaupt supi und supi-innen! Dafür bezahlen sie gern ein Wochenende und mindestens 250 Euro. Am Ende des Seminars erhalten sie ein Skript, welches die neue Behandlungsmethode beschreibt mit den strengen Vermerk: nur für Kursteilnehmer, unerlaubte Vervielfältigung wird mit dem Tode bestraft!

Auch ich informiere mich über Neuerungen und probiere, ob diese besser, effektiver, schneller sind, aber das mache ich autodidaktisch mit Hilfe von Büchern und Fachgesprächen. Wenn ich keine Literatur finden kann, da die Anbieter ihre Erkenntnisse unter strengem Verschluss halten, dann meine lieben Leser bin ich der Ansicht, es handelt sich hierbei um eine Art der Geldvermehrung für Einzelne, die allgemein als Abzocke bezeichnet wird. Wenn ich zum Beispiel einen Kurs im Socken-links-herum-anziehen anbiete, die Methode aber versteckt halte, so scheint es keine neue Technik zu sein und jeder normaldenkende Sockenanzieher kommt früher oder später von allein auf diese „neue“ Methode.

Es ist ein Kreuz, gefangen zu sein in einer Denkweise aus Minderwertigkeit und Angst. Der Gemeine Logopäde hat mein vollstes Mitleid, da er unwissend ein Opfer der schwanzgesteuerten Männinnen wird. Er vernachlässigt durch ihr permanentes Anstacheln seine eigentliche Aufgabe komplett, ist er doch ein Heilmittelerbringer und sollte sich um nichts, als um diese seine Bringschuld kümmern. In einer guten Nachbarschaft wird niemand verhungern und hat der eine mehr, gibt er auch mehr ab. Jeder in der Nachbarschaft sollte einfach das tun, was er am besten kann, generell, unabhängig von Amt und Titel und zwar nach bestem Wissen und Gewissen! Arzt und Therapeut begleiten Händchen haltend den Genesungsweg des Patienten und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie bald friedlich in einer wunderbaren Welt ohne Männinnen, denn ich petitiere noch gleich hier und heute für die Wiedereinführung des öffentlichen Auspeitschens für penetrante „-In/nen“-Forderer!

Mit herzlichen Grüßen
Ihre Frau Körb