Politische Ordnung

Liebe Frau Schröder,

heute wende ich mich ganz persönlich an Sie, verehrte Frau Familienministerin, die Sie die Debatte über politisch inkorrekte Kinderbücher entfacht haben. Ich gebe Ihnen vollkommen Recht! Man kann Kindern nicht die harte Wirklichkeit zumuten und ihnen den Spracherwerb durch Begriffe wie „Negerbaby“ gleich von Anfang an verpfuschen! Wir Mitglieder der besseren Gesellschaft, die wir uns um das Wohl der Gemeinschaft kümmern, sollten alle Sorge tragen, dass die neue Generation die korrekte deutsche Sprache gleich von Anbeginn an lernen kann. Dies beginnt schon im Mutterleib, da die Föten ab dem 4. Monat hören und Sprachmelodien erkennen können. Es sollten also alle Schwangeren ab dieser Zeit städtische Brennpunkte meiden, um das Ungeborene nicht dem falschen Sprachklang von „Gehst du Stadt?“ – „Nee, gehsch U-Bahn“, was einem: „Gehst du in die Stadt?“ – „Nein, ich fahre mit der U-Bahn.“ entspricht, auszusetzen und seine gesunde Sprachentwicklung zu gefährden.

Nach der Geburt, wenn alle Bewunderer in seltsame Verzückungsäußerungen in Form von „Dutsidutsidududada“ ausbrechen und eine Fülle dem Kind fremder Sprachäußerungen auf das arme Würmchen hereinbricht, gilt es die nächste Hürde zu nehmen. Liebe Frischgebärende, ich bitte Sie im Namen von Frau Kristina aus Berlin, ebenfalls eine noch relativ frische Mutter, halten Sie Ihre Familie und Freunde und auch das Pflegepersonal dazu an, nicht mehr im althergebrachten „Motherese“ mit dem Kind zu sprechen, was eine Vermischung von Mutter und Gänsen impliziert und im Zuge der allgemeingeschlechtlichen Gleichberechtigung, sowie politischen Verneinung zum Denglischen von Haus aus abgeschafft gehört!

Sie verehrte Mütter, die Sie wieder arbeiten und für ihren Nachwuchs einen der raren Krippenplätze organisieren konnten, achten Sie tunlichst darauf, dass in den Einrichtungen keine Fingerspiele mit den Kindern gemacht werden, denn dass drei sich abmühen, den Pflaumenbaum zu schütteln, die ganzen Früchte aufzulesen und auf dem Rücken heimzuschleppen, während zwei sich ausruhen und einfach der Daumen oder der kleine Wuziwuzi sein dürfen, der das Ganze dann auch noch verspeist und den anderen nichts übrig lässt- liebe Mütter ich bitte Sie, wehret den Anfängen der egomanen Erziehung, die in diesen Reimen steckt!

Wenn die Kinder dann am Abend vorgelesen bekommen, liebe Eltern, dann machen Sie es genauso, wie Frau Schröder und umschreiben Sie politisch inkorrekte Begriffe in Geschichten und Märchen! Ein Kind von circa eineinhalb Jahren kann sehr wohl zwischen einem „Negerbaby“ und einem politisch korrekt umschriebenen „Säugling afroamerikanischer Abstammung“ unterscheiden. Im Folgenden gebe ich Ihnen einige Begriffe, die aus geschlechterpolitischer, antirassistischer oder die Demokratie gefährdenden Gesichtspunkten beim Umgang mit Kleinkindern ab sofort unbedingt zu vermeiden bzw. mit den gebotenen Umschreibungen anzuwenden sind:

Zigeuner – Roma und Sinti
Ich weise in diesem Zusammenhang besonders alle Kulturbegeisterten daraufhin, dass der ‚Zigeunerbaron’ ab sofort als ‚Roma und Sinti- Baron’ zu bezeichnen ist und es auch kein ‚Zigeunerschnitzel’ mehr gibt!

Kaiser, König, Sultan – machtbesessene Einzelpersonen mit überproportionalem Goldreif auf dem Kopf.

Der jüdische Händler, eine in arabischen Märchen (zum Beispiel Aladin und die Wunderlampe) gern benutzte Metapher für einen korrupten, nur auf den eigenen Vorteil bedachten und die Dummheit einfacher Leute ausnutzenden Bescheißer – ein ganz gemeiner, böser Mitmensch, der zufällig dem jüdischen Glauben angehört, aber jederzeit auch ein Christ, Muselmane  oder buddhistischer Hinduist sein könnte.

Begriffe wie Bauernfrühstück, Chefsalat, Strammer Max und Tote Oma sind in Gegenwart von Kindern sowieso nicht zu verwenden. Wenn es sich jedoch partout nicht vermeiden lässt, sind sie abzumildern und zu korrektisieren zu „Erste Mahlzeit der arbeitenden Landbevölkerung“, „Vermischung verschiedener Grünpflanzen für das Führungspersonal“, „Persona non grata“ und „geschlechtsunabhängiges Lebensendprodukt“.

Des Weiteren ist beim Vorlesen für Kinder auch darauf zu achten, die politisch korrekte Form der „-Innen“ zu benutzen, es muss also heißen: „Das tapfere Schneiderlein und Schneiderinnenlein“, wobei noch zu überlegen ist, ob hier nicht die Dame zuerst benannt werden müsste. Generell gilt es zu überdenken, ob nicht die deutsche Sprache schlechthin generalüberholt werden muss, denn bei genauerer Betrachtung treten so viele politische Inkorrektheiten zutage, dass wir es beinahe nicht mehr vertreten können zu sagen: „Ich  ziehe meine Jacke an“. Es muss vielmehr unterschieden werden, wer die Jacke anzieht und dann genderabhängig die korrekte Form benutzt werden, also für Frauen bleibt es „die“, wird aber erweitert zu „Jackin“, für Männer wird es „der Jacker“.

Meine lieben Leser und Leserinnen, für die Verbesserungin der Welt und der Verbesserung die Weltin ermuntere ich Sie, Ihre Vorschläge direkt an die geschätzte Frau Kristina Schröder nach Berlin zu schicken, denn sie ist die Vorreiterin einer besseren Gesellschaft, die wir alle anstreben!

Liebe verehrte Frau Schröder, machen Sie weiter so, Sie können auf eine Unterstützung aus dem Volke zählen, meine Stimme haben Sie!

Mit herzlichen Grüßen

Ihre Frau Körb