Familienblock

Aus Ihren Reaktionen auf den letzten Artikel des Gleichberechtigungszyklusses kann ich schließen, dass ich einen Punkt getroffen habe. Viele Geschwister berichten, dass ihnen nicht nur die Rivalität zu schaffen macht, sondern auch die Parteinahme der eigenen Familie. Aus diesem Grund müssen wir das Familiensystem als Ganzes betrachten, ohne jedoch in Hellinger’sche Sphären abzudriften.

In einer Familie gibt es immer einen, der es anders macht, als der familiär-gesellschaftlich-zeitliche Konservativismus es vorschreibt. Und die ganze Familie schreit leise: Man, kannst du nicht einfach so sein, wie deine Schwester/ dein Bruder/ die anderen? Der Eine stellt sich hin und sagt laut: Nö. Und dann ist die Familie sprachlos. Insgeheim gibt man dem Einen schon Recht, aber trotzdem – das macht man doch nicht! Und dann lädt man den Einen nicht mehr ein. Zum Geburtstag, zur Hochzeit, zu Ostern oder überhaupt. Der wird schon sehen, was er davon hat. Man muss ihn nur lang genug schmoren lassen, irgendwann wird er schon weich und wie die anderen. Aber der Eine denkt gar nicht daran, in den Schmortopf zu steigen. Er lebt munter sein Leben und ist zufrieden und am Ende sogar glücklich. Das darf aber doch nicht sein! Der Eine sollte doch gekrochen kommen und jetzt hat der einfach so geheiratet, ohne was zu sagen und die Kinder sind nicht getauft und er spart weder auf ein Haus, noch auf ein größeres Auto und in den Urlaub fährt der auch nicht – na von uns würde er da auch gar nichts dafür kriegen, für sein unorthodoxes Lotterleben! Also mit uns nicht! Schließlich meint man es ja nur gut, und wenn er nicht will, dann soll er halt alleine sehen! Und das tut der Eine. Nämlich, dass Blut absolut nicht dicker ist, als Wasser. Es rinnt genauso davon und versickert und zurück bleibt eine leere Hülle. Und wer von uns kennt nicht den Aufmarsch der hohlen Gestalten, die die Fahne ‚Haste-was-biste-was’ vor sich her schwenken?

Meine lieben Leser, um die Familie als Kleinform unserer Gesellschaft intakt zu halten, bedarf es mehr von solchen „Einen“ Geschwistern/ Familienmitgliedern. Gehen auch Sie noch heute mit Ihrer Familie ins Gericht und sprengen Sie deren verstaubte Konventionen! Lassen Sie bei Familienfesten durchklingen, dass Sie an dieser Krankheit leiden, bei der man unkontrolliert Schimpfwörter von sich gibt. Scheuen Sie nicht vor harter Fäkalsprache, eine andere versteht der fahnenschwenkende Familienteil nicht. Sagen Sie zum Beispiel zur goldbehängten Cousine fünften Grades: „Na Möschen, Döschen rasiert?“ Und wenn diese dann puterrot nach Luft schnappt, reichen Sie ihr zwinkernd die zuckende Hand zum Friede: „Entschuldige, aber ich Fotze kann nichts dafür, ich bin krank! Es tut mir scheiße ficken scheiß fick.“ Die Cousine liegt dann schwer atmend am Boden, die Verwandtschaft schimpft und zetert und endlich bewegt sich etwas! Aber Obacht, agieren Sie feinfühlig! Ein Vetter, welcher sich ähnliche Späße erlaubte, sitzt jetzt in der Irrenanstalt und Opa Siggi (Sie erinnern sich an den sangesfreudigen alten Herrn im Pflegeheim?), der gern zu solchem Unfug bereit ist, glaubt mittlerweile, der Führer zu sein.

Mit herzlichen Grüßen
Ihre Frau Körb