Wortwechsel

Meine lieben Leser, ich präsentiere hier und heute wieder einmal ein Prachtstück aus der Reihe: Kommt  Ihnen der bekannt vor?

Mit herzlichen Grüßen
Ihre Frau Körb

SIE und ER und DAS ÜBLICHE

Du willst also reden.
(Sie weint.)
Jetzt.
(Sie weint.)
Gut. Reden wir.
(Sie weint.)
Ich weiß nicht, was du schon wieder hast, aber reden wir darüber.
(Sie weint.)
Reden wir jetzt darüber.
(Sie weint.)
Ständig jammerst du. Merkst du das eigentlich?
(Sie weint.)
Ständig liegst du mir in den Ohren, klagst, nörgelst und ich höre immer nur ich.
(Sie weint.)
Ich ich ich.
(Sie weint.)
Ich ich ich ich ich!
(Sie weint.)
Findest du das gerecht?!
(Sie weint.)
Immer geht es nur um ich ich ich.
(Sie weint.)
Und ich? Wo bleibe ich dabei? Schließlich mache ich das alles für dich!
(Sie weint.)
Ich brauche das alles nicht!
(Sie weint.)
Was ich brauche, ist ab und an mal ein kleines bisschen Entspannung. Ein kleines bisschen blond, ein wenig dumm vielleicht – das ist alles. Unkompliziert.
(Sie weint.)
Aber du – du musst ja über alles reden. Immer.
(Sie weint.)
Und es hat doch überhaupt nichts mit dir zu tun!
(Sie weint.)
Mit dir, das ist doch was ganz anderes!
(Sie weint.)
Ich mach doch alles für dich!
(Sie weint.)
Alles!
(Sie weint.)
Was willst du denn noch?
(Sie weint.)
Sag es mir – du musst mit mir reden!
(Sie weint.)
Was willst du!
– Ich will, dass du mich ansiehst.
Du willst, dass ich dich ansehe?
– Ich will, dass du mich ansiehst.
Aha. Gut. Sehe ich dich an.
– Jetzt.
Ja.
– Schau mir in die Augen.
Gut, mach ich.
(Sie weint.)
Ich schau dir in die Augen.
(Sie weint.)
– Oh warte, halt mal still –
(Sie weint.)
Da war eine Wimper in deinem Auge.
(Sie hört auf zu weinen.) Danke.

(aus: FIMPF – Gespräche aus der Nachbarschaft)