Wie ich ein Sofa verfluchen ging

Was bisher geschah:
Das von meiner Nachbarin gekaufte und von geheimen Terroranschlägen zerstörte Sofa der Firma IKEA war spurlos verschwunden. Da es sich auf nichts Neuem nicht gut sitzt, holte sich meine Nachbarin ihr Geld zurück und wähnte sich nach fast zweiwöchigem Hin und Her in Ruhe vor der gelb-blauen Gefahr.

Als sie zwei Wochen später, am 7.11.2011 ihre Kontoauszüge holte, entdeckte sie einen Zahlungseingang vom 31.10.2011 in Höhe von 1028,- Euro. Zahlungseingang IKEA DT RETURN VOM 26.10.2011. Nett und anständig, wie meine Nachbarin ist, hat sie den Betrag sofort zurücküberwiesen.
 Daraufhin wurde sie endlich einmal von einem Sachbearbeiter persönlich angerufen, immerhin nur eine Woche später – schade war nur, dass sie an diesem Tag arbeiten musste. Ihr Mann nahm das Gespräch entgegen und schilderte sehr ungehalten die Sache mit dem Sofa. Der Sachbearbeiter wiederum konnte es überhaupt nicht fassen, wie jemand so ehrlich sein kann und eine irrtümliche Überweisung einfach so zurückschickt. ‚Nun, so bin ich nun einmal.’, dachte meine Nachbarin, sonnte sich im Schatten ihres Großmutes und beschloss, für IKEA einfach zu alt, zu gebildet, zu anspruchsvoll, einfach zu zu zu sein. Wer braucht schon ein neues Sofa. Das alte ist ja schließlich noch nicht zusammengebrochen. Und sie kann ja sparen und sich ein qualitativ hochwertiges, klassisch designtes, kindertaugliches Traumsofa in Leder für schlappe 6000,- Euro kaufen. Später, wenn sie einmal groß wäre.

Das Leben geht schon seltsame Wege, meine Nachbarin die ihrigen und nichts Böses ahnend kam sie am 7.12.2011 von der Arbeit nach Hause und wurde von einem gehetzt wirkenden Ehegatten empfangen. Er legte ihr noch vor dem Ablegen der Straßengarderobe einen Brief vor und sagte: „Mach das mal auf.“ 
Sie machte das mal auf und dann setzte sie sich erst einmal. Ein Inkasso- Büro aus München teilte ihr höflich mit, dass sie sich im Verzug befände und dass sie „… gemäß § 286 BGB (…) den entstandenen und entstehenden Schaden zu ersetzen habe(n)… schulden Sie unserer Mandantin folgenden Beträge… Gesamtforderung: 1234,03 Euro.“ Da zog es ihr die Schuhe ganz von allein aus. „Welche Mandantin?“, fragte sie sich und ihren Mann und da sprang es ihnen auch schon ins Auge, die vier großen Buchstaben, schwarz auf weißem Grund:

I K E A.

Wussten Sie, dass IKEA eine Frau ist? Ich hatte es bisher immer für einen schwedischen Riesen gehalten. Blaugefroren, mit dicken gelben Eiterbeulen auf der Stirn.
 „Was nun, was tun, Himmel hilf!“, reckte meine Nachbarin die Hände empor. Abends um neun sowieso nichts mehr.
 Also setzte sie sich am nächsten Morgen sofort ans Telefon. Zuerst die Verbraucherzentrale. Keiner da. Eine halbe Stunde später ein neuer Versuch, man soll den Leuten ja ruhig ihr Frühstück morgens um halb neun gönnen – wieder keiner da. Dann ein Direkttelefonat mit dem Inkasso-Büro. Eine berufsfreundliche Dame* hörte kurz die Erklärung meiner Nachbarin, dass es sich um einen Irrtum handelte und dass sie alle Rechnungen und Belege habe, die zeigen, dass sie keiner Frau IKEA irgend etwas schulde und dass sie ihrem Büro selbstverständlich diese Rechnungen und Belege kopiert zukommen ließe. Dann stellte sie noch die entscheidende Frage: „Haben Sie eine Telefonnummer von IKEA, damit ich mit jemandem persönlich sprechen kann?“

„Aber natürlich“, antwortete die nette Frau*, „das ist die 06122-585xxxx*, die Frau Sch.*“. Unglaublich! Meine Nachbarin hatte eine Telefonnummer von IKEA! 
Natürlich rief sie diese Frau Sch.* sofort an. Sie erreichte sie zwar erst beim zweiten Versuch, aber wenigstens gab es bei dieser Nummer weder ein Computerservicestimmtheater, noch einen Warteschleifenpop, oder anonyme Callcentermitarbeiter, sondern eine Frau Sch.* mit einer ödematös veränderten Stimme, die bestimmt nicht wirklich glücklich in ihrem Leben bei der Dame IKEA war, denn sonst würde sie nicht soviel rauchen und trinken. Meine Nachbarin teilte ihr nett und freundlich alle Rück-, Um-, Ver- und sonstige Buchungsdaten mit. Frau Sch.*s Schlusssatz war: „Ich kläre das im Haus ab und dann melde ich mich bei Ihnen.“

Genau dieses schrieb meine Nachbarin auch in den Widerspruch an das Inkasso-Büro und bis heute hat sie von beiden noch nichts gehört.
 Aber alle Jahre wieder steht Weihnachten bald vor der Tür. Wahrscheinlich wird es dieses Jahr Knut, der Undercover-Alex sein, der sich doch entschlossen hat, mithilfe von IKEA die moralischen Werte der abendländischen Welt zu unterwandern, denn eines ist sicher: IKEA ist keine Frau, IKEA is a bitch!

Meine lieben Leser, die mit einem * gekennzeichneten Namen und Telefonnummern sind meiner Nachbarin vorliegend und sollten auch Sie ähnliche Probleme haben, so ist sie gern bereit, aktive Nachbarschaftshilfe zu leisten.
Mit herzlichen Grüßen
Ihre Frau Körb

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